BRD 1981
R+K: Rainer Komers
T: Georg Bender
S: Christel Maye
44 Min.

Mo 10. 05. | 20.30 Uhr | Filmforum

zusammen mit: B 224 (Erdbewegung)

Moderation:
Michael Girke
(Autor & Filmkritiker)

480 Tonnen bis viertel vor zehn
– Bei den Hafenarbeitern in Duisburg-Hochfeld

Günter Prusa ist Hafenarbeiter seit 1948. Damals konnte man sich im Hafen besser als anderswo durchschlagen. Die Arbeit war schwer, bezahlt wurde tageweise. Heute wird die schwere Muskelarbeit weitgehend durch Kräne und Transportmaschinen ersetzt. Aus Tagelöhnern sind Stammbelegschaften geworden. Der Film beobachtet Günter Prusa und seine Kollegen bei der Arbeit. Seit 1948 notiert er genau, was durch seine Hände geht.

Duisburg-Ruhrort: An der Schifferbörse steht ein Dampfkran – ein Industriedenkmal. Gegenüber auf der Speditionsinsel: moderne Kräne, riesige Erzberge und an der Kaimauer ein einzelnes Schiff. Zwei ältere Hafenarbeiter sprechen über ihre Arbeit früher und jetzt. Morgens 6:00 Uhr beginnt die harte und raue Arbeit, bei Wind und Wetter, im Waggon, im Kran, im Schiff, in der Kolonne. Erze, Bleche und Rohre müssen in die Schiffe verladen werden. Der Meister teilt die Arbeit ein, nennt Namen, Kran und Schiff und was verladen werden soll. Ein anderes Mal fällt eine Zahl: 3200 Tonnen, Samstag, Sonntag. Überstunden, Doppelschichten, die meisten sind auf den Mehrverdienst angewiesen. Für Günter Prusa, Betriebsrat im Südhafen, und seine Kollegen ist es die Arbeit, die sie täglich tun. Sie berichten von der unterschiedlichen Entlohnung, die Einigkeit verhindert. Einige von den Älteren haben früher auf Dampfkränen gearbeitet. Rolf Schings erinnert sich an die Anfänge im Hafen nach 1945, an die Carepakete. Immer gelten sie noch als so genannte „Hilfsarbeiter“, sie wollen, dass ihre Arbeit als Beruf anerkannt wird wie der Facharbeiter in anderen Industriebereichen.

„Duisburg-Hochfeld im Sommer 1981: Wenige Kilometer rheinaufwärts fließt die Ruhr in den Rhein, stößt die Industrielandschaft des Ruhrgebiets auf den alten Handelsweg des größten deutschen Flusses. Grauer Dunst liegt auf der Flusslandschaft. Alte Männer stehen am Fluss, reden über die Unterschiede der Arbeit damals und heute. Mit diesen Bildern und Tönen beginnt ein ruhiger, sich nicht anbiedernder Dokumentarfilm. (...) Komers portraitiert Menschen und ihre Arbeit. In langen Kameraeinstellungen beobachtete er die Arbeitsschritte. Es geschieht nicht viel in diesem Film, doch das Interesse des Regisseurs überträgt sich auf den Zuschauer – das Interesse an der Arbeitsweise von Menschen.“ (Dietrich Leder, Kölner Stadt-Anzeiger)